Zugegeben - hierzulande spricht man nicht so oft über Swasiland. Eigentlich selten. Bis gar nicht. Denn es ist ein winziges, unscheinbares Land, mitten in Südafrika, eine Idee größer als Schleswig-Holstein, umrahmt von Südafrika und Mosambik. Da kommt man eingentlich nie hin. Wozu auch. Ist ja auch viel zu weit weg. Von meinem kuscheligen Büro mit Schreibtisch, Notebook und einer frischen Tasse Kaffee bis nach Swasiland sind es, laut google-maps, gute 16.000 km. Der Routenplaner meint, ich sei mit dem Auto in knapp 9 Tagen und 11 Stunden schon da. Schon. Na dann?!
Aber was will man auch dort. In diesem kleinen Land mit der höchsten Aidsrate der Welt. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung trägt den Erreger in sich und bei mehr als einem Drittel ist die unheilbare Krankheit bereits ausgebrochen. Was will man in einem Land, in welchem die durchschnittliche Lebenserwartung bei etwa 32 Jahren liegt. Statistisch wäre ich dort schon seit einigen Jahren tot. Was will ich in einem Land, das als eines der ärmsten der Welt gilt, in welchem die Menschen mit weniger als einem Euro pro Tag klarkommen müssen. Was will ich da? Wer will da überhaupt hin? Wozu überhaupt die ganze Erdkunde hier und die doofen Fragen über Deine oder meine Reiselust nach Swasiland?
Die Antwort auf diese Fragen steht auf dem fotografierten Linienbus. Und dieses Bild ist aus Swasiland, aufgenommen von einer guten Freundin. Sie war Ende des vergangenen Jahres im Rahmen ihres Jurastudiums für etwa drei Monate beruflich in Südafrika - und auch mal eben in Swasiland. Wenn man schon mal in Südafrika ist....
Denn zu allen notvollen Beschreibungen dieses Landes gehört auch die Nachricht, dass dort Menschen leben, die Ihre Hoffnung auf Gott setzen. In der eingangs erwähnten Hymne des Landes wird das deutlich. Im letzten Vers des Liedes heißt es übersetzt:
"Beschirme und behüte uns, Ewiger Herr"
Und das ist nicht bloß graue Theorie, wie Du vielleicht vermutest. In Hymnen wird viel gesungen. Zumeist sind diese Lieder steinalt, wenig aktuell und legen einen ideologischen Stellenwert fest, der - so scheint es manchmal - von der aktuellen Lage des Landes weit entfernt ist. Hier nicht! Gott ist die Antwort. Als Aufkleber auf einem offiziellen Linienbus.
Und nicht nur dort. An zig Stellen wird auf Jesus Christus hingewiesen. Irgendwo mitten in der Prärie liest man auf einem riesengroßen Schild die mahnende Frage, ob Jesus mein Retter oder mein Richter ist. Mitten in der Öffentlichkeit wird diese Frage gestellt. Nicht mit vorgehaltener Hand, versteckt, peinlich berührt, beschämt und verkniffen. Nein. In diesem Land wird offensiv auf Jesus hingewiesen. Einer der Gründe dafür ist vielleicht die Not, in welcher dieses Land steckt. Mag sein. Aber mal ehrlich: Meinst Du wirklich, dass es Dir, der Du knapp 16.000 km entfernt bist, so viel besser geht? Trotz kuscheligem Büro, frisch gebrühtem Kaffee, duftener Bettwäsche, Tageszeitung, geringerer Aidsrate und höherem pro-Kopf-Einkommen? Die fixe Idee von "Jesus ist nur für die Schwachen, Doofen und Erfolglosen" ist nicht nur ein Märchen, sondern kompletter Selbstbetrug. Diese Gedankenwelt ist übrigens nicht neu. Schon die Bibel berichtet genau über diese Denke, über den Versuch, in Erst- und Zweitklassige Menschen zu unterscheiden. Als gäbe es einen Jesus für die "Winner" und einen für die "Looser" des Lebens. Einen Edeljesus und einen Jesus für den schwachen und kranken Rest. Wir gehören natürlich stets zur erstgenannten Gruppe. Logisch. Meinen wir. Sagen tun wir es lieber nicht. Auf jeden Fall brauchen wir - als im zivilisierten Europa Lebende - keine Busaufschriften oder Hinweisschilder, die uns Gott und Jesus in den Fokus rücken - wir kommen hierzulande auch alleine zurecht. Hinweise auf Jesus werden als Bedrohung, als Abschreckung und erhobener Zeigefinger empfunden. Wir holen Jesus, gleich einem As im Ärmel immer dann hervor, wenn es heikel wird. Den normalen Alltag schaffen wir auch ohne ihn. Und damit Jesus "nicht nervt", reden wir erst gar nicht über ihn, geschweige denn mit ihm. Damit schießen wir uns aber ein sattes Eigentor!
Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, die Sünder zur Buße zu rufen und nicht die Gerechten.
Die Bibel, Evangelium nach Lukas, Kapitel 5, Verse 31 und 32
Die Frage, ob auch für Dich Gott die Antwort ist, ob Jesus Dein Retter oder Richter ist, ob Du einer der Kranken und Sünder bist oder ob alles das üüüüüberhaupt nicht auf Dich zutrifft....diese Frage beantwortest Du ganz alleine. Im stillen Kämmerlein. Und ganz gelegentlich tippt Dir Jesus nochmal auf die Schulter, will nur noch deutlich machen, dass er bereit steht, als Retter, als Arzt, als Helfer, als Schulter zum Ausheulen, als derjenige der Dich liebt - so wie Du bist, mit dem wenigen, was Du zu bieten hast. Denn bei Gott ist es völlig unerheblich, ob Du in Swasiland oder hier lebst. One-World-mäßig. Ob Du einen Euro pro Tag verdienst oder zig-Tausend. Es geht nämlich nicht um das Leben im Hier und Jetzt. Zumindest nicht nur. Es geht um die Antwort auf die Frage, wo Dein Herz sich in der Ewigkeit aufhalten wird. Reden wir also nicht länger um den heißen Brei herum. Verschließen wir nicht den Blick vor der Botschaft der Bibel. In diesem Punkt leben nämlich wir in einem Entwicklungsland - und da sind die Swasiländer schon deutlich weiter! Wenn Dir also jemand die Frage nach Deinem Verhältnis zu Gott und Jesus stellt, dann kannst Du peinlich berührt sein oder echauffiert zurückschrecken. Ich möchte aber wetten, dass Du letztlich genau weißt, worum es wirklich geht. LG
Jörg