Warum komm´ ich darauf? Weil ich vorhin eine Sendung im Autoradio aufschnappte, in der von digitalen Spuren zu hören war - weniger aus der Datenschutzecke und dem allseits bekannten erhobenen Zeigefinger vor der "social networks-Gefahr", sondern vielmehr aus der "Du-bist-zwar-tot-lebst-aber-im-netz-einfach-weiter"-Fraktion.
"Was kümmert es mich, was an digitalen Spätfolgen von mir übrig bleibt?". Naja. Stell Dir vor, alle deine Mails, deine Postings, deine Abos, deine Statements in irgendwelchen Foren, Bilder, Sounddokumente oder Videos. Alles ist immer noch da, wenn Du schon lange von der Bühne abgetreten bist. Da kommt kein Meer und schlürft Deine Spuren weg. Da kommt auch kein "Sensemann", der brav alle Deine digitalen Hinterlassenschaften mit in die ewigen Jagdgründe holt. Deine Spuren bleiben einfach da. Und leben weiter. Ohne Dich. Ist nicht manche Mail, mancher Kommentar auf FB oder sonst wo zumindest erklärungsbedürftig oder sogar peinlich?! Ist vielleicht mancher "Freund" in den Netzen gar kein Freund, sondern eher eine digitale Zufallsbekanntschaft, die lieber nie zustande gekommen wäre. Aber jetzt bleibt sie bestehen. Rückschlüsse könnten gezogen werden, Querverbindungen werden herbeigebogen oder -gelogen. Und Du kannst nichts mehr dagegen tun.
Irgendwie doof.
Welche Spuren hinterlassen wir? Egal, ob wir leben oder endgültig ausgehaucht haben. (letzteres schreibt sich erschreckend einfach, im warmen Sessel, ohne Sorgen zu haben). Spuren gibt es immer. Gute, eindrückliche, verwirrende, ärgerliche, perverse - es ist von allem ´was dabei. Und manchmal bekomme ich auf Facebook mit, wie Leute ihre "Freundesliste" ausmisten, um etwas mehr Ordnung ins digitale Leben zu bringen. Andere legen sich gleich einen neuen Account zu. Wieder andere sammeln Freunde und Foreneinträge wie andere Bierdeckel oder Briefmarken.
Welche Spuren hinterlässt Du? Mancher löscht den Verlauf in seinem Browser, damit die anderen nicht merken, auf welchen Seiten man war. Keine Spuren hinterlassen. Aber dann schlummern doch noch einige dieser lästigen Cookies irgendwo in den Tiefen des Dateisystems - und zack: wieder eine Spur.
Wir sind nicht spurlos! Nie. Weder im "analogen", also richtigen Leben, noch im "digitalen" also imaginären Leben. Es gibt sogar solche, die beide Welten vertauschen oder nicht mehr voneinander trennen können. Spuren überall! Identitäten zu hauf. Doch wer bin ich wirklich, welche Spur möchte ich hinterlassen?
Auch Jesus Christus hat eine Spur hinterlassen. Komplett analog sozusagen. Komplett real.
Auch Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben, damit ihr seinen Fußspuren folgt.
Die Bibel, 1. Brief des Petrus, Kapitel 2, Vers 21
Aber wer macht das schon? Wer will das schon? Jesus Christus folgen. Wohin denn? Welche Spuren? Welches Beispiel? Fragen über Fragen. Mit Jesus zu leben, hier und heute, ist keine religiöse Fantasie oder gar christlicher Fanatismus. Seine Spuren sind erkennbar. In der Bibel, im eigenen Leben - fast immer erst rückblickend. Mir fehlt viel zu oft der Blick auf diese Spuren. Mir fehlt die Antenne, der Sensor, das Radargerät um seinen Spuren auch zielsicher nachzulaufen. Weil mein eigenes Wirken und Schaffen so kompliziert und kurzlebig ist (oder zu sein scheint), dass ich mich auf meine Sache ganz alleine konzentriere und meinen Maßstab als den stets korrekten sehe.
Der eigenen Spur zu folgen bedeutet aber letztlich, im Kreis zu gehen!
Im Kreis ist langweilig. Dann grüßt täglich das Murmeltier und es kann schnell langweilig werden. Und gefährlich - denn der Blick heftet sich alleine auf das eigene!
Tue Dir einen Gefallen und lies mal in den Spuren Gottes. Fährtenlesermäßig. In der Bibel.
Viel Spaß und ein schönes Wochenende...
LG
Jörg
