Mittwoch, 7. November 2012

...keine Rettungskräfte mehr...


Christina, zurzeit zu Gast in Amerika, hatte die zweifelhafte Gelegenheit den Hurrikan Sandy persönlich und aus nächster Nähe kennen zu lernen. Von den Vorwehen bis zum bitteren Ende war Christina dabei. Saß wartend im Haus, ohne Strom, ohne Licht, ohne warmes Wasser. Nachfolgend ein paar Zeilen, die ich in den letzten Tagen per Mail erhielt. Direkt aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Infos aus erster Hand. Von einer Begegnung der "dritten Art"....zum Nachdenken.

"Etwa ein Woche zuvor hörte man schon in den Nachrichten von Sandy. Es war bereits zu diesem Zeitpunkt schockierend zu erfahren, welche großen Schäden dieser Hurrikan in Jamaika und Umgebung anrichtete. Sie (Sandy) schien aber so weit weg und ich dachte, das ganze Thema würde mich sicherlich nicht betreffen. Als dann aber die Nachricht kam, dass der Hurrikan über New Jersey und New York heraufkommen würde und sogar noch an Stärke zulegen wird, nahm das Ganze völlig neue Ausmaße an. Auch für uns. Leute machten Großeinkäufe. Generatoren, Wasser, Lebensmittel. Einfach alles. Bald war vieles ausverkauft. 
Die einen sorgten sich, andere nahmen es gelassener. Bei mir war es so, dass ich wusste, Gott ist bei mir, egal was kommt. Ich muss mir keine Sorgen machen. Dieses Gefühl in mir war fast wie Vorfreude: etwas neues, ungewohntes kam auf mich zu, aber beunruhigte mich nicht.
Am Sonntag dann nahmen bei uns die Windböen zu und die Temperatur stürzte ziemlich ab. Zudem wurden am Abend ALLE(!!!) Tunnel, sowie alle Brücken geschlossen. Bahnen, Züge einfach der ganze öffentliche Verkehr wurde eingestellt. 
Ab Montag baute sich das Unwetter über den ganzen Tag auf und es wurde immer deftiger. Abends kamen schließlich wirklich ungewöhnlich starke Böen, ganze Bäume stürzten um und alles, was nicht richtig befestigt wurde, landete irgendwo auf der Strasse. Viele Stromleitungen fielen herunter und lagen ebenso herum. Die Folgen: Strom weg. Licht weg. Heizung weg. Warmwasser weg. Der Hurrikan traf ungefähr um 20 Uhr unten in South Jersey auf Land. Zu diesem Zeitpunkt verschlechterte sich das Wetter nochmals. Und das, obwohl der Sturm immer noch etwa 200km entfernt war. Glücklicherweise regnete es nicht wie vorausgesagt. Stattdessen starke Windböen gefolgt von enormen Blitzen. Als es dann spät wurde ging ich zu Bett und ließ den Sturm wüten. Irgendwie wusste ich das ich mir keine Sorgen machen musste - Gott ist ja bei mir. Am nächsten Morgen war es dann schon einiges ruhiger aber immer noch nicht ganz vorbei. Außerdem galt immer noch das Verbot von der Polizei das Haus zu verlassen. Wie sich nach und nach herausstellte, hatte es uns nicht so schlimm getroffen wie in Atlantic City und an der Küste, New York City Downtown und Long Island. Dort gab es wirklich große Schäden. In Atlantic City wurden Häuser überschwemmt oder gar komplett ins Meer gerissen.  In New York City wurde die U-Bahn geflutet, sowie einige Parkhäuser und Tunnels. Es gab Stadtteile zu denen man keine Rettungsleute mehr schicken konnte, da zu viele Notrufe hereinkamen. Kurz gesagt: an einigen Orten war es echt übel. Deshalb kann ich mich mit meinen umgestürzten Bäumen nicht wirklich beklagen. Bei meiner Freundin im Nachbardorf fiel der Baum direkt aufs Haus - bei uns “nur” auf die Stromleitung. 
Das “schlimmste" war aber mehr nach dem Sturm, da wir bis Samstag keinen Strom hatten: am Abend also nur Licht mit Kerzen, Duschen mit kaltem Wasser und sonst allem was zu Stromausfall dazugehört!

Die Tage danach verbrachten wir dann oft in der Einkaufsmall. Hier war es warm, trocken und - das wichtigste: es gab Strom (durch deren Generatoren). Wenn man in der Mall war, sah man ungefähr 90% von den Leuten die einfach am Boden bei den Steckdosen sassen und ihre Smartphones, Notebooks usw. aufluden und Emails abriefen.

 Auf jeden Fall bin ich Gott dankbar, dass er mich so behütet hat. Und es war irgendwie eine gute Erfahrung die ich da machen konnte."


Ein Blog wie dieser ist am heimischen PC, im warmen Lehnstuhl, mit heißem Tee, einer wärmenden Heizung und mit Hintergrundmusik aus dem Internetradio leicht zu schreiben. Die dramatischen Stunden, das Ungewisse, Sorgen, Hoffnung und die "Begutachtung" der Schäden sind für uns Außenstehende nur schwer zu erfassen. 

Liebe Christina, vielen Dank für Deine Zeilen! God bless you!

LG
Jörg