"Und selbst?"
"Alles gut!"
"Prima - und sonst?"
Dialoge dieser Art sind bekannt. Begegnen uns regelmäßig. Sie sind allezeit da, dienen eigentlich nur dazu, ein Schweigen zu brechen, um überhaupt ´was zu sagen. Wortwechsel auf diesem Niveau sind an Belanglosigkeit und Desinteresse kaum zu überbieten. Zumindest meistens. Ausnahmen soll es geben. Aber selten. Und wir wissen es alle, aber trotzdem fragen wir und trotzdem antworten wir. Weil es sich so gehört. Wir sind uns nahe - und doch irgendwie auch wieder nicht. Dabei ist die Ausgangsfrage durchaus wert, dass man länger als zwei zehntel Sekunden darüber nachdenkt. Sie könnte tatsächlich ernst gemeint sein. Im übrigen kannst Du den oberflächlichen Fragesteller ziemlich aus dem Konzept bringen, wenn Du die Frage mal ehrlich beantwortest und Deinem Stimmungstief (sofern vorhanden) mal Platz machst.
"Wie geht es Dir?"
"Schlecht"
"Oh"
....Pause....
"Und sonst...?"
Leider reicht das Interesse des oberflächlichen Fragestellers selten soweit, dass er sich wirklich für Dich interessiert. Eine unerwartete Antwort passt nicht ins Konzept. Zu ehrlich. Zu direkt. Viel zu persönlich. Wie soll man darauf schon reagieren. "Was kann ich dafür, dass es Dir schlecht geht? Das war das letzte Mal, dass ich Dich danach gefragt habe - sieh zu, dass Du zurecht kommst und nerv mich nicht, mit Deinen Problemen - ich habe selber genug davon."
Selber habe ich (vor langer Zeit) folgenden Dialog erlebt - als Antworter.
"Wie geht es Dir?"
"Nicht gut - hab zurzeit dicke Probleme..."
"HaHa - Du bist immer so erfrischend ehrlich...."
Ende des Dialogs. Der Fragesteller (ein sehr guter Bekannter) dreht sich herum und suchte sich den nächsten Gesprächspartner. Er hat sich geoutet. Doch kein Interesse. Peinlich berührt. Zu kompliziert. Einfach nur gefragt. Und jetzt? Da hatte ich die Chance, mein Problem "an den Mann" zu bringen, aber der scheinbar Interessierte zieht im letzten Moment seine helfenden Hände wieder weg, meine Antwort knallt an ihm vorbei auf den harten Fliesenboden.
Wir brauchen Freunde. Richtige Freunde. Richtige Freundinnen. Wenn man als Mann sagt, man habe einen Freund....dann legt sich gelegentlich die Stirn des Hörers dieser Worte in Falten. "So so. Einen Freund?!"
Hast Du einen Freund? Eine Freundin? Jemanden, den Du auch nachts um halb drei noch anrufen kannst. Der Dir zuhört. Wenn wir von uns reden, machen wir uns angreifbar. Wir geben Dinge preis, die nur "mein Freund" wissen darf. Und er tut es ebenso. Wohl dem, der einen Freund hat. Bist Du ein Freund? Ein Freund sagt seinem Freund auch - wenn es nötig ist - unangenehme Dinge. Kritik. Das muss eine Freundschaft aushalten. Ehrlichkeit macht vertraut und festigt. Nicht "nach dem Mund reden" oder oberflächlich "Wie geht es Dir?" fragen.
Hiob hatte gleich mehrere Freunde. Sie kamen nachdem sie von ihm und seinen Sorgen und seinem Leid erfuhren zu ihm und saßen erstmal eine Woche schweigend bei ihm. Keine Fragen. Keine Antworten. Es war sowieso allen klar, wie schlimm es Hiob ging. Er hatte alles verloren. Kinder. Haus und Hof. Güter. Einfach alles. Hatte nur noch sein Leben. Und selbst das war (oberflächlich betrachtet) nichts mehr wert. So saß er da, jammerte und litt. Und seine Freunde äußerten sich schließlich zu allem - aus ihrer Sicht. Versuchten zu analysieren und zu bagatellisieren.
Und Hiob offenbarte sich. Gab seine Schwächen preis. Sprach von seiner Not, nahm kein Blatt vor den Mund. Er schreckte sogar nicht davor zurück, Gott für alles verantwortlich zu machen. Wünschte sich den Tod.
Einer seiner Freunde nahm dann allen Mut zusammen und "schüttete Hiob mal so richtig einen ein". Und dann hat es bei Hiob klick gemacht. Es ging gar nicht um ihn, es ging von Anfang an um Gott. Denn Gott hat alles in der Hand. Was auch geschieht - es geht zuvor durch seine gute Hand.
"Gott ist erhabener, als ein Mensch!"
Die Bibel, das Buch Hiob, Kapitel 33, Vers 12
Gott bewahrt den Überblick. Auch über Dich! Das ist kein "ich-schieb-ne-ruhige-Kugel", sondern offenbart ein schier unendlich großes Vertrauen auf Gott.
Im übrigen:
Jesus hatte am Kreuz auch keine Freunde mehr. Alle waren sie weggelaufen. Plötzlich kannte ihn keiner mehr. Und mal ganz nebenbei: Du und ich - wir wären auch weggelaufen! 100%ig.
Aber Jesus macht keine Vorwürfe. Er ist immer da. Und was geschieht, dient uns dazu, Gott besser zu verstehen.
Es sollte also nicht heißen "Wie geht es Dir?", sondern
"Wie geht es Gott mit Dir?" - und das weißt Du am besten! Und das Beste: Gott ist jeder Situation gewachsen. Auch und insbesondere Deiner Situation, die eigentlich nur dazu dient, Dir eine Frage zu stellen:
Jesus fragt nicht "Wie geht´s?", sondern er fragt Dich: "Hast Du mich lieb?" und erwartet eine ehrliche Antwort!
LG
Jörg