Die Rede ist von der Planung eines sogenannten Charakterwochenendes.
Über Monate wurde auf diese Weise das Wochenende vorbereitet. Ein 72-Stunden-Erlebnis, welches den gut 100 Teilnehmern nicht nur lange im Gedächtnis bleiben soll, sondern hoffentlich auch ihre Beziehung zu Jesus auf völlig neue Füße stellt. Es sollte ein Wochenende werden, welches die Teilnehmer rüttelt und schüttelt, Ihnen die Begriffe "Freundschaft", "Vertrauen auf Jesus" und "die Knappheit der eigenen Kraft" in jeder Hinsicht neu definiert.
Nur etwa drei Tage vor dem Start des Wochenendes sickerte - eher zufällig - die Information zu den Organisatoren durch, dass die einzige und absolut wichtigste Landstraße, als Zufahrt für Material und Logistik für dieses Wochenende wegen intensiver Baumfällarbeiten gesperrt sei! FATAL ERROR!
Ohne Straße keine Zufahrt. Ohne Zufahrt kein Material. Ohne Material kein Charakterwochenende. Das Kopfkino öffnete also seine Türen und hatte mal wieder einen neuen Film eingelegt und niemand wusste, ob im Abspann "Happy End" stehen würde.
Aber man(n) will wissen, was im Abspann steht!
Und genau diese Situation des Ungewissen ist für jeden Menschen meistens sehr nervig. Für mich gilt das auf jeden Fall. Denn wenn man schon plant, dann will man auch Sicherheit, Gewissheit, um am Ende mit (mehr oder weniger) Stolz geschwellter Brust zu sagen, dass "ich es mal wieder geschafft habe".
Blödsinn!
Genau an dieser Stelle aber setzt das Charakterwochenende an. Es geht exakt um diesen Moment und das Gefühl der Ausweglosigkeit, des "ich-bin-überfordert" oder "ich-habe-einfach-keinen-Bock-mehr" verbunden mit den Gedanken "die-sind-sowieso-alle-blöd" und "die-Welt-ist-total-ungerecht-und-wenn-nicht-zu allen-dann-zumindest-zu-mir".
Wir neigen dann dazu, aufzugeben, alles hinzuschmeißen oder lautstark und wenig freundlich unserem Unmut Platz zu verschaffen. Meisten auf Kosten anderer, nicht selten durch Selbstbetrug und Lüge, anstatt Jesus auf das Lenkrad und auch auf alle anderen Schaltknöpfe des Lebens vollständigen Zugriff zu geben.
Diese Situation ist keine neuzeitliche Entdeckung, sondern uralt - bereits Paulus spricht davon im 2. Korintherbrief:
Von allen Seiten dringen Schwierigkeiten auf uns ein, und doch werden wir nicht erdrückt. Oft wissen wir nicht mehr weiter, und doch verzweifeln wir nicht. Wir werden verfolgt und sind doch nicht verlassen; wir werden zu Boden geworfen und kommen doch nicht um.
Die Bibel, 2. Brief an die Korinther, Kapitel 4, Verse 8 und 9
Am Beispiel der Straßensperrung sieht der eine (nämlich ich) nur das Problem. Gott sieht aber die Lösung. Was für uns als reine Schikane wahr genommen wird, ist ein von Jesus spitzenmäßig ausgeklügeltes System an Wegen, Möglichkeiten und Vorteilen - vereint im Begriff SEGEN.
Und so ist es doch irgendwie meistens. Wir stehen plötzlich in einer Situation, die wir mit unserem beschränkten Horizont als "Sack von Schwierigkeiten" zu enttarnen glauben, obwohl es letztlich der gut gemeinte Ratschluss Gottes ist. Diesen fegen wir überheblich, arrogant und selbstgerecht vom Tisch, um mit hochgekrempelten Ärmeln, mit eigenen Methoden und mit eigenem Risiko die nächste Windmühle zu attackieren.
So heißt es einen Vers 7 zuvor:
...denn ´es soll deutlich werden, dass` die alles überragende Kraft, ´die in unserem Leben wirksam ist,` Gottes Kraft ist und nicht aus uns selbst kommt.
That´s it!
Es geht gar nicht darum, dass wir mit voller Power unlösbare Probleme zu lösen versuchen. Denn gesperrte Straßen bleiben auch trotz noch so viel Ärger immer noch gesperrt. Das ist ja das Blöde....
Es geht um Vertrauen auf Jesus. Es geht darum, Gott einfach mal machen zu lassen, damit seine überragende Kraft deutlich wird!
...und das wurde sie!
Das Wochenende fand wie geplant statt. Die Straßensperrung war nur zum Vorteil und letztlich 100 % Segen und 0 % Problem. Die Teilnehmer waren alle da, durchlebten rund 72 knallvolle Stunden voller Höhen und Tiefen und fuhren als veränderte Männer wieder heimwärts.
Was bin ich froh, dass auf Jesus Verlass ist. Immer! Zu 100%!
LG
Jörg