Samstag, 5. November 2016

Gott sei Dank!

"Gott sei Dank" - ein viel gehörter Satz. Oft gesagt, sicherlich auch oft so gemeint - aber eben auch oft eine einfache Redensart, ein antrainierter Ausspruch, eine zur Floskel verkommene Sprechweise. Dabei haben wir wahrhaft Grund Gott zu danken. Er hat es verdient. Agiert er doch stets aus dem Hintergrund, hält die Fäden beieinander ohne auch nur ein Detail zu übersehen. Nicht alles ist verständlich, manches sogar fragwürdig. Denn wir dürfen Fragen stellen, dürfen Gott sogar in frage stellen - das macht ihn nicht kleiner, sondern realer.

Gönnen wir uns einen Moment der Ruhe und des Respekts vor dem, der die Welten geschaffen hat! Nachfolgend meine ganz eigene und sehr persönliche Version des Dankes:

Danke Jesus, dass ich Dich vor etwas mehr als 25 Jahren kennen lernen durfte. Persönlich, intensiv, ungeschminkt und so ganz und gar nicht auf die fromme Tour. Dafür aber total nachhaltig. 

Bei unserem ersten "Date" war ich noch Student und hatte mehrfach die Hoffnung verloren, jemals das Studium erfolgreich zu beenden; wohnte in einer Miniwohnung im 4. Stock am Randes des Rotlichtviertels. Mit Röhrenfernseher und grasgrünem "Festnetz-Strippen-Telefon". Aus heutiger Sicher echt "old school". Mein damaliges Leben bestand aus späten Vorlesungen, Glotze bis zum Testbild, Doppelkekse zum Frühstück und dem abendlichen Besuch in der Studentenkneipe im nächsten Stadtteil. Am Wochenende ging es meist auf die Rolle - Ablenkung vom tristen Dasein, was sonst?! Es gab kein Handy, kein Internet, kein Whatsapp und googeln konnte man auch noch nicht. Das Leben war langsamer. 

Und dann kamst Du, Jesus. 

Bist mir nachgelaufen, hast Dich mir in den Weg gestellt. Nicht um mir meinen Weg zu versperren, sondern um mir in die Augen zu schauen. Schuld, Sünde, Unvermögen hing wie Kleister an mir dran. Du hast mich davon befreit - einfach weil nur Du es kannst. Weil nur Du den Preis dafür bezahlt hast! 

Ich lernte Menschen kennen, die mir Deine Liebe verdeutlichten, weil sie sich von Dir geliebt wussten. Menschen, die Dir vertrauten, waren mir Vorbilder - obwohl ich nicht immer alles verstand oder "mega-gut" fand. Doch meine Skepsis, meine Verdrehtheit und meine Ängste hast Du von Anfang an ernst genommen und nicht einfach vom Tisch gefegt. Kein "es wird schon alles gut!", sondern ein "ich hab schon alles gut gemacht!" war und ist Deine Botschaft! Meine erste Bibel von damals habe ich immer noch. In der Zwischenzeit ist sie abgegriffen, hat Eselsohren, ist ausgeleiert. Und auch die täglichen Aufzeichnungen, die ich während der damaligen Bibellese notierte. Sie helfen mir heute noch Deine Mühe, Dein Werben und Deine Schritte zu verstehen und Wert zu schätzen.

Du bist keine Phantasie, keine Idee, kein Lebensmodell - DU BIST REAL! 

Danke dafür! Danke, Jesus Christus, dass Du Dir so viel Mühe mit mir gemacht hast! 

In der Zwischenzeit ist vieles passiert. Studium ist tatsächlich fertig (wer hätte das gedacht?), Job gefunden, genial verheiratet, Haus gebaut, Baum gepflanzt, Vater geworden. Mein Blick geht zurück auf ein total erfülltes Leben, auf Höhen und Tiefen, auf Ängste, Sorgen, aber auch auf Klarheiten und unendliche Glücksmomente. 

Aber: Der Alltag frisst immer wieder wie ein Schwarm Motten Löcher in unsere Beziehung und will sie dadurch marode machen.

Denn Alltag bedeutet oft Herausforderung. Bedeutet manchmal gefühlte Schutzlosigkeit vor der Willkür des Schicksals. "Du stehst an der Tür", sagst Du - an Türen, die ich aus Hochmut, Blödheit oder Scham zugeknallt habe. Und nun krieg ich sie nur schwer wieder auf.  Ich sehe  einfach manchmal nicht durch das Dickicht des Alltagswahnsinns hindurch, drehe mich stattdessen um die eigene Achse - bis zum Schwindel - , laufe planlos umher, erkenne oft nicht mehr den Weg und erkenne DICH am Ende nicht mehr - obwohl Du immer DER Weg bist. Meine Versuche diesem Kreislauf zu entfliehen gleichen manchmal einem Münchhausen, der sich selber aus dem Dreck ziehen will.

Und wieder kommst Du! 

Nicht um mir den Weg zu versperren, sondern um mir meine verschlossenen Türen zu öffnen. Du möchtest mir in die Augen schauen. Du machst den Weg frei!  Und mit einem Mal machst Du Dich mir mal wieder in ganzer Größe präsent, so dass aller Nebel und alles Suchen ein Ende hat:

In nur 72 Stunden kam der langersehnte Durchbruch. Charakterwochenende hieß das "Ding". Ich hatte ja keine Ahnung, keine Vorstellung, was es mit mir machen würde, wie dieses Erleben meine Beziehung zu Dir revolutionieren würde.....

Plötzlich sehe ich Dich wieder klar, deutlich, weit mehr als irgendwelche frommen Umrisse. 

Endlich wird mein Christsein wieder groß und normal, es wird viel bedeutungsvoller, als ich je dachte. Weil Du am Werk bist. Weil Du - als der Macher, der Denker, der Diener, der Retter - alles perfekt, minutiös, filigran durchdacht hast. Nich nur dieses Wochenende, sondern mein ganzes Leben! Seit her erkenne ich wieder, welchen Wert ich vor Dir habe, weil Du mich wertvoll gemacht hast. Endlich darf ich sein, der ich bin, keine fromme Zwangsjacke, kein Korsett. Vertrauen gegen Vertrauen! 

Du bist König! 

Du sollst meine Lebensmitte sein und bleiben! Immer. Alles andere wäre ein Haschen nach Wind!

Gott sei Dank - Amen!

Ich danke dir dafür, daß ich erstaunlich und wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke, und meine Seele erkennt das wohl!

Die Bibel, Buch der Psalmen, Kapitel 139, Vers 14



LG
Jörg