Danach ertönt die Hupe, die Türen zur Eisfläche fliegen wieder auf und alle stürmen auf die freie und - buchstäblich - eisglatte Bahn. Sogleich wummern wieder die Bässe, Nebenschwaden finden ihren Weg durch die Halle und alles fährt irgendwie kreuz-und-quer bei dem Versuch den Takt der Musik zu treffen. Mittendrin demonstrieren einige "spätpubertierende Mittdreißiger", was sie vor etwa 20 Jahren im Eishockeyverein so gelernt haben und fahren mehr oder weniger rücksichtslos durch die Menge. Stets mit diesem diebischen Grinsen, wenn bei einer professionellen Bremsung die im Weg stehende Person ordentlich voll geschneit wird - vom "Bremsnebel". Ha Ha. Das Vergnügen ist ganz auf deren Seite. Ich selber bin froh, wenn die Bande in greifbarer Nähe ist. Letztlich haben alle einen Riesenspaß am Samstagnachmittag.
Ich habe auf dem Eis schon mal die Erfahrung gemacht, was es bedeutet den Halt zu verlieren. Irgendwas oder Irgendwer war im Weg, ein schnelles Ausweichmanöver, noch ein paar Kurven, dann einige sehr unprofessionelle Bewegungen und auf der Suche nach Halt folgt der finale Griff ins Leere - dann der Aufprall und ein Krachen, das durch Mark und Bein geht. Kurz nachzählen: zwei Arme, zwei Beine, zehn Finger, alle lassen sich bewegen. OK. Danach die Analyse des Geschehens: Das Krachen - es hörte sich an wie Knochen - war aber zum Glück nur eine Kufe des Unfallpartners. Schuh kaputt. Glück in Unglück! Man(n) atmet auf, lacht und schleicht sich von der Eisfläche.
...gedanklicher Bruch.....
Haltlosigkeit - wie auf der Eisfläche - ist in der Theorie gut bekämpfen. Ratgeber gibt es genug. Doch diese können letztlich auch nicht erklären, wie Bremsen und Ausweichen funktioniert - sie machen es einfach.
Einfach machen!
Wer im Leben den Halt verloren hat, dem hilft keine Samstagsnachmittagsshow. Auch tolle Ratgeber, die wortreich die eigenen Strategien mit Stolz geschwellter Brust verkünden und gar nicht nachvollziehen können, dass es Probleme außerhalb ihres Horizontes gibt, sind irgendwie nicht so gefragt!
Als ich neulich auf der A46 entlang fuhr, regte ein riesiges Plakat meine Aufmerksamkeit, welches ich selbst bei Tempo 100 gut erkennen und lesen konnte:
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| Quelle: www.gott.net |
Auf der Eisfläche liegen zu bleiben, kann gefährlich werden. Regel Nr.1: Finger einziehen. Kufen können ganz schön scharf sein....Regel Nr.2: Ratzfatz wieder aufstehen, ab an die Bande, ausruhen, weiter machen!
Der Gottesfürchtige kann sieben Mal fallen und wird doch jedes Mal wieder aufstehen. Den Gottlosen dagegen genügt ein Unglück, um sie zu Fall zu bringen.
Die Bibel - Buch der Sprüche, Kapitel 24, Vers 16
Gott ist Dir näher, als Du denkst!
LG
Jörg
