Montag, 14. Januar 2013

Holz(im)Kopf

Vor einiger Zeit erschien in einer Kolumne von spiegel-online ein Beitrag über den digitalen Spießer. Jenen Menschen, der am heimischen PC alles - aber auch wirklich absolut alles - weiß und besser weiß. Er postet hier und da, kennt sich überall aus, weiß zu jedem Thema etwas zu sagen, setzt Maßstäbe in Moral und Klugheit und hat stets die Nase vorn.

Solche Menschen sind ... wie soll ich´s sagen....schwierig. Sie passen sich jedem Zeitgeschehen an, geben Angelesenes als ihre eigene Meinung kund und erwecken den Eindruck, als platzen sie nahezu vor Fachwissen. Dabei liegt am Ende die Vermutung nahe, dass sie einfache und arme Würstchen sind, die selten das Tageslicht erblicken, sondern stattdessen in der Nase bohrend und, mit ausreichend Cola und Chips bewaffnet, die Nächte durchposten. Zur Freude aller. Meinen sie.

Und dann gibt es solche wie mich. Ich erhebe mich erst recht über diese digitalen Spießer und weiß letztlich auch alles noch besser. Ich sag´s nicht ganz so deutlich, dafür bin ich zu schlau, zu abgebrüht, zu chamäleonhaft - ich mach es mehr unter der Oberfläche und bin damit letztlich noch gemeiner, als jene, auf die ich mit meinem digitalen Zeigefinger abziele. 

Das "ich-bin-besser-als-Du-Spiel" ist total alt und auch die digitale Neuauflage macht es nicht besser.


Was hältst du dich mit dem Splitter im Auge deines Freundes auf, wenn du einen Balken im eigenen Auge hast? Wie kommst du auf den Gedanken zu sagen: `Freund, lass mich dir helfen, diesen Splitter aus deinem Auge zu ziehen´, wenn du nicht über den Balken in deinem eigenen Auge hinausschauen kannst? Du Heuchler! Entferne zuerst einmal den Balken aus deinem eigenen Auge; dann wirst du vielleicht gut genug sehen, um den Splitter aus dem Auge deines Freundes zu ziehen.


Pfeil im Kopf. Holzkopf. Wie auch immer. Wir be- und verurteilen, als gäb´s kein Morgen. Der zitierte Text stammt aus der sogenannten Bergpredigt, die Jesus Christus zu Beginn seiner Wirkungszeit vor versammelter Mannschaft hielt. Er nahm kein Blatt vor den Mund. Sagte den Leuten auf den Kopf zu, wo das Problem ist. Und er sagte es, ohne zu verletzen, ohne zu zerstören, sondern stets mit dem Ziel der Zurechtbringung.

Jesus Christus hat viel gesagt. Nachzulesen in der Bibel.

Und wenn man den o.g. Vers mal auf sich wirken lässt, dann muss ich für meinen Teil zugeben: er hat recht mit dem, was er sagt. Ich sehe vielfach diesen winzigen Splitter im Auge meines Gegenübers - ja ich suche diesen Splitter fast - und verliere die Peilung über mein eigenes viel größeres Problem.

Das, was mich am anderen aufregt, ist zumeist das, was ich an mir selber nicht im Griff habe!

Was die Bibel an dieser Stelle aber eigentlich sagen will:
Es geht um DICH! Nicht um Dein gegenüber. Nicht um den digitalen Spießer am weit entfernten scoial-network-Horizont. Es geht um DICH. Die Bibel spricht zu Dir. Wenn Du die Bibel liest, schaust Du in einen Spiegel. OK - man merkt es vielleicht nicht immer gleich. Doch spätestens im Neuen Testament, dort, wo Jesus Christus so richtig zur Höchstform anläuft - dort geht es um Dich.

Es ging ihm immer um DICH! 

Nur deshalb hat er überhaupt diesen Weg in Richtung Kreuz beschritten.

Und ich sehe Dich an meinem inneren Auge nun argumentieren, dass ja dieser oder jener eigentlich noch schlimmer ist als Du. Er hätte es nötig, viel nötiger, dass man ihm mal sagt, wie er wirklich ist. Es bräuchte jemanden, der ihm mal den Splitter aus dem Auge zieht.....vielleicht von Dir?

...und der Kreislauf der Splitter-Balken-Theorie beginnt von vorne. Und erkenne, dass es um DEINEN Balken geht. Um Deinen "Pfeil im Kopf" (Du verstehst sicher, wie ich das meine! :-) ). Lass Dir von Jesus mal den Kopf waschen. Und die Augen gleich mit. 
:-)

Wünsche Dir eine splitterfreie Woche! Ich geh jetzt Balken suchen....

LG
Jörg